Bissig, frech, humorvoll – und doch sehr tiefsinnig

Einer der vielen Höhepunkte der Oberwiler Fasnacht sind die Schnitzelbängge. Der vorletzte Dienstag hat gezeigt, dass es im «Schnäggedorf» begnadete Formationen hat, welche das lokale, kantonale, nationale und internationale Geschehen in musikalischer Versform Revue passieren liessen.

Unseres Wissens waren sieben Formationen unterwegs – und in den Oberwiler Beizen herrschte Hochstimmung wie selten zuvor. Es ist schlicht unmöglich, alle Schnitzelbängge zu publizieren – wir mussten eine kleine Auswahl treffen; im Wissen, dass dies nur ein kleiner Querschnitt aus einem Jahrgang, den wir als «superb und Spitze» bewerten.

Flott kamen die «Mac Väärs 2019» daher und zeigten ihre Affinität zum Fussball. Wir zitieren:
Noch em Out an dääre WM
Het sii dr Valon dreeschtet ghaa
Do hämmer is e bitzli gwundret
Lara, was willsch du vo däm Maa?
Denn hämmer s gschnallt, das isch nur Wäärbig
Vo Ragusa, jetz isch s duss
Und d Lara, die isch ganz glaar d Schoggi
Und dr Behrami isch e Nuss

Die neue Weihnachtsbeleuchtung war zur Advents- und Weihnachtszeit ein grosses Thema in Oberwil. Die «Feldschnäggli» haben sich dazu Gedanken gemacht:
Jä, isch sie nit e wohri Bracht? Mir sind immerno ganz baff!
Zur Wiehnachtszyt isch Oberwil mit Abstand s‘schönschte Kaff,
mir hätte no e Freud – gän abr zue, es isch absurd
wenn im Gmeindroot au mol Eine so schön lüüchte wurd…
Und sott‘s mol Eim Gmeindroot zunere Erlüchtig länge
chöntt me dä zur Wiehnachtszyt an
Kandelaber hänge

Und selbstverständlich war der FC Basel nicht nur an den «drey scheenschte Dääg» ein Thema. Aus unzähligen Oberwiler Schnitzelbänggen singen wir jenen von «Die Unerheerte» mit:
Undrem Wicky het dr FCB dr Koller
Undrem Koller schyynts am Aafang wiider toller
Nuur dr Burgener und au si Spoortscheff Streller
Sind drotz Koller nooni toller oder heller

Legendär und seit vielen Jahren – nicht nur in den «Schnägge»Beizen – beliebt sind «Babberlababb». Wir zitieren und machen darauf aufmerksam, dass die Gratwanderung immer schmaler wird, was als «Sexismus» bezeichnet wird…
Y gang zum Begg, sag «gueti Frau», do faucht si zurgg in bösem Ton
«Me sait nit Frau, das isch sexistisch, es heisst Mensch mit Gebärfunktion»
«Das tuet mir leid, y wott zwei Meitlibei», no schiggt sie mi grad weg
Will y ha dummerwyys no gseit, «y wott derzue e feine Schnägg»…

Auch die «SchnäggeWaggis» waren in Hochform und erinnern sich, bestimmt mit Wehmut, an einen Sportanlass, der nach zehn Jahren nicht mehr ist:
S‘FraumattSchwinget findet nümme statt,
dr Brunoni het das Schwinge satt
Kulturell und sportlig e grossi Lugge,
e mänge muess e Träne verdrugge
Au dr SchiggiCello tuet inere Kriese stegge
Cha nimerts meh dört ins Säägmehl legge.

Es ist kein Geheimnis, dass sich hinter «Dr Schabernack» drei Frauen «verstecken». Wir hörten ihnen gebannt zu und publizieren diesen Vers:
S‘isch öppis los hüt oobe, d‘Stimmig die isch toll
Schiggi, Schwane, Pöschtli alles proppevoll
im Ambiente und 3Linde chasch es g‘niesse
nur s‘Rössli wird dängg wieder um die Nüni schliesse

Und zum Abschluss kommt «CoCoWä alias Attatui» (wer dabei an Coq au Vin denkt, liegt nicht gänzlich falsch) zum Zuge. Wir zitieren:
Sige zwei Koryphäe in Därwil, schribt dr BiBoKüng mit Schwung
Wenn me die nit kennt, denn gränzi das an Majestätsbeleidigung
Aber beidi Nämme sin scho falsch, dr Räscht dä kasch dr dängge
Keine isch vo Därwil, s’wohne beidi in BielBängge

Wir sagen allen «Schnäggen»: Es war eine grandiose Fasnacht 2019 und sagen: «Sali zämme»!

Text und Fotos: Georges Küng

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