Ein Künstler geht nie in Pension …

Er ist durch und durch Oberwiler, ist aber auch während nahezu zwei Jahrzehnten in Basel und im Ausland (Montreal, Wien) tätig gewesen. Er ist ein aufmerksamer, kritischer Zeitgeist, der immer wieder kurze, aber prägnante Leserbriefe im BiBo schreibt. Er, das ist Jörg Schneider.

«Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spass daran, mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss, mit 66 ist noch lange nicht Schluss.» Der das sang, heisst Udo ­Jürgens und weilt nicht mehr unter uns. Der charismatische Sänger und Entertainer verstarb am 21. Dezember 2014 im Alter von 80 in der Schweiz.
Jörg Schneider ist 66 Jahre alt, oder jung. Er ist Künstler. Wohl aus Berufung und weniger als Beruf. Er wuchs im «Schnäggedorf» auf, besuchte die Kunstgewerbeschule, und hier präziser die Fachklasse «Bildhauerei». Und erinnert sich: «Als Kind war ich oft im Nachbarhaus (bei einer Familie Gross). Und zusammen mit dem Atlantis-Seiler (Insider wissen, um wen es sich handelt) war er, als Fotograf, oft auf Afrika-Reisen und sein Haus in Oberwil war voller afrikanischer Skulpturen. Das hat meine Neugier entfacht und wohl die Affinität zur Kunst, zur Bildhauerei endgültig entflammt», so der Künstler im Gespräch mit BiBo.
Man kann seine Kunstwerke teils in Oberwil bewundern (Gemeindeverwaltung, Kuenze-Haus); aber es geht oft vergessen, dass dieser Oberwiler, der durchaus polarisiert, diverse Ausstellungen im In- und Ausland gestaltet hat. So gewann Schneider den internationalen Ateliersaustausch der Christoph-Merian-Stiftung, was ihm erlaubt, einige Jahre in Kanada, in Montreal, zu leben und zu werken/wirken. Mit 18 Jahren war Holz sein Material; zwei schwere Rückenoperationen (Bandscheibe) führten dazu, dass er sich dann dem Gips verschreiben musste. «Und seit 2011 widme ich mich nur noch der Malerei», so der Oberwiler, der zu allem stets eine pointierte Meinung (die selten dem Mainstream entsprich…) hat. Er ist auch nicht um Bonmots verlegen – es würde ebenfalls den Platz sprengen, wenn wir all seine Aussagen, die teils vielleicht Anekdoten sind, publizieren würden. «Ich gehe nicht mehr querbeet über die Strasse, sondern nehme artig und brav den Zebrastreifen.» Jörg als angepasster Bürger? Nun ja… Und fügt an: «Ich renne schon lange nicht mehr aufs Bähnli; viel lieber schlendere ich durch das Dorf, beobachte – und nehme das nächste Bähnli in die Stadt», so der universale Künstler.
Seine Mutter war schwarz-katholisch, sein Vater hingegen Atheist. «Mit 16 Jahren habe ich ‹Siddhartha› von Hermann Hesse gelesen. Es hat mich geprägt», so Jörg Schneider. Wer mehr von ihm zu Kirche und Religion wissen möchte – man trifft ihn im Dorf; oft bei einem Kaffee oder Gläschen Wein. Siehe auch den Artikel nebenan. Und auf unsere Frage, was denn das Alter bringe, meint Jörg Schneider spontan: «Die Toleranzschwelle gegenüber den Mitmenschen erhöht sich. Und generell sollte der Mensch im Alter ein wenig weiser werden – auch meine Wenigkeit. Ich rege mich nicht mehr so schnell auf, ich bin sozusagen altersmilde geworden. Das Leben ringt mir nun ein Lächeln ab.» Hört man ihn so sprechen, oder viel mehr sinnieren, erkennt man in ihm auch einen «Philosophen».
Und wie steht es mit Hobbies? Jörg Schneider überlegt kurz und sagt: «Ich singe gerne, ich spiele gerne Boule, ich lese und observiere gerne», so dieser Mann, der keinen Ruhestand kennt. Und merke: Ein Künstler wie Jörg Schneider geht nie in Pension!

Georges Küng

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