Acht frühchristliche Frauen ziehen in die Kirche ein

Am Samstag, den 16. November 2019, um 16 Uhr, wird in der katholischen Kirche St. Stephan in Therwil das neue Kunstwerk «Acht Frauen» der Künstlerin Corinne Güdemann vorgestellt. Gemeinsam mit der frisch renovierten Barock-Kirche wird es am Folgetag, dem Sonntag, 17. November, um 10 Uhr feierlich eingeweiht. Beide Anlässe sind öffentlich.

Der Pfarrei St. Stephan gehören rund 4000 Katholikinnen und Katholiken der beiden Gemeinden Biel-Benken und Therwil an. Die heute unter Denkmalschutz stehende Barockkirche entstand in den Jahren 1627 bis 1631. Das Projekt und die Idee mit der Wiederentdeckung der Frauen in der Katholischen Kirche St. Stephan ist grossartig und wird, weit über die Grenzen des «BiBo-Landes» hinaus, auf grosse Resonanz stossen. Es ist Ulrike Lege (Kommunikationsverantwortliche) zu verdanken, dass BiBo in den Genuss eines Vorabdruckes der Pressemitteilung kommt. Sehr gerne publizieren wir diese bereits zehn Tage, bevor das grosse Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Als «kunsthistorische und theologische Sensation» bezeichnet Prof. Dr. Johannes Stückelberger, Leiter der Therwiler Kunstkommission, das moderne Werk, das an acht frühchristliche Amtsträgerinnen erinnert. Mit ihm bekommen die Apostelinnen, Diakoninnen und Prophetinnen, die jahrhundertelang in Vergessenheit geraten waren, wieder ein Gesicht.
Zu sehen sind die «Acht Frauen» gleich zweimal: Auf einem Fresko sind acht Frauen in heutiger Kleidung dargestellt, die an einem langen Tisch Brot und Wein miteinander teilen. Um das Gemälde dauerhaft einzulassen, wurde die hintere Wand des Kirchenschiffes extra für das Werk aufgebrochen. Auf der Brüstung der Chor-Empore stehen in acht Kassettenfeldern die Namen der Amtsträgerinnen, an die das Gemälde erinnern soll: Maria aus Magdala, Martha, Phoebe, Junia, Lydia, Thekla, Priska und Die Namenlose. Die zeitgenössischen Frauen erscheinen wie freigelegt unter dem alten Verputz, die in illusionistischer Steinschrift gemalten Buchstaben wie eingraviert für die Ewigkeit, obgleich die Rolle der aktiven Christinnen über Jahrhunderte vertuscht wurde – das Kunstwerk macht uns so zu Zeuginnen und Zeugen ihrer Wiederentdeckung.
Neuere Bibelforschungen belegen: Zu Jesu Zeiten und in seiner Nachfolge waren diese Frauen hoch angesehen und übernahmen mit Autorität verantwortungsvolle Führungspositionen in den ersten christlichen Gemeinden. Ohne ihr Engagement und ihren Mut hätte sich die damals neue Religion nicht entwickeln können. Doch in den folgenden Jahrhunderten wurde ihre Bedeutung heruntergespielt, verleugnet, ja selbst die Bibel bewusst falsch übersetzt. So wurde aus der Apostelin «Junia» in der Westkirche der männliche Apostel «Junias», die «Diakonin» Phoebe zur «Dienerin» gemacht. Die Geschichte jeder einzelnen der acht Frauen sowie den theologischen und kunsthistorischen Hintergrund des Werkes veröffentlicht die Gemeinde in einer eigens publizierten Broschüre.
«Mit unserem Kunstwerk in Therwil heben wir einen verborgenen, tief vergrabenen Schatz und geben Frauen ein Gesicht, ohne die es unser heutiges Christentum nicht gäbe», freut sich die Theologin Jutta Achhammer, die das Projekt (mit-)initiierte. Zuvor gab es eine intensive Diskussion in der katholischen Gemeinde, an deren Ende die Mehrheit der Mitglieder befand: Stellvertretend für alle Frauen, die sich seit biblischen Zeiten im Christentum engagieren, sollen in unserer Kirche diese acht Frauen dauerhaft einziehen. Beim ersten Ansehen spricht Esther aus Therwil den Gemeindemitgliedern aus dem Herzen, als sie jubelt: «Endlich erhalten die Frauen ihren Platz in der katholischen Kirche – wunderbar! Danke!»
Von Mai bis Oktober 2019 wurden die Innenräume der barocken Kirche St. Stephan, die aus dem Jahr 1628 bis 1631 stammt, restauriert. Im Zuge dieser Renovationen wurde auch eine Neugestaltung beschlossen und zum Wettbewerb ausgeschrieben. Diesen gewann die Züricher Künstlerin Corinne Güdemann mit dem überzeugenden zweiteiligen Werk «Acht Frauen» an der hinteren Wand und der Emporen-Brüstung. Mit ihm wird das reiche Figurenprogramm des Kirchengebäudes nach mehr als 230 Jahren erstmals erweitert. Die gesamte Kirche erstrahlt nun, nach den intensiven Renovationen (2018 aussen und 2019 innen), im neuen Glanz. Mit einer feierlichen Kirchweihe durch den Generalvikar Markus Thürig wird die Kirche St. Stephan am 17. November wiedereröffnet. «Wir sind stolz, dass alle Mädchen und Frauen, die sich heute für das Christentum stark machen, sich im Kunstwerk der Acht Frauen in unserer Kirche wiedererkennen und in ihrem Engagement getragen wissen können», sagt Elke Kreiselmeyer, die das Projekt als Gemeindeleiterin in Therwil realisierte.

Es ist mir ein persönliches Anliegen, Herr Vogel für die super Mit- und Zusammenarbeit zu danken. Auch in der nächsten BiBo-Ausgabe werden wir auf diesen grossen Tag (Wochenende) nochmals – im Teil «Kirchen» – eingehen.

Georges Küng

www.rkk.therwil.ch

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